Dienstag, 22. November 2011

Honky Tonk Train Blues

Hm... der böse Wecker zwang uns Donnerstag aus den Betten.
Er war vielleicht ein bißchen zu früh gestellt, aber so gestaltete sich der Morgen immerhin ohne Abhetzen. Gemütlich sind wir zu Fuß zur Uni spaziert und ich hatte mein letztes Mal Praktisk Tysk og Stilistikk.
Da wir in unserem Seminarraum eine Glastür haben, konnte ich sogar zwei Mal Marlene vorbeistiefeln sehen und muss sagen, sie macht sich nach wie vor ziemlich gut auf dem Campus.
Wir haben dann einfach beschlossen, wieder zu mir zu fahren und lieber alles fertig zu packen, so dass wir dann am Abend keinen Stress mehr haben und nichts wichtiges vergessen bevor wir uns zum Nachtzug aufmachen. Nach dem diese Formalitäten erledigt waren, sind wir dann nochmal in die Stadt gefahren. Zuerst mussten wir Marlene noch ein zweites Tagesticket kaufen, aber dieses dumme, dumme Gerät wollte einfach ihre Karte nicht akzeptieren, weswegen die erste Bahn, die wir hätten nehmen können, einfach an uns vorbeigefahren ist. Das hat mich sehr zornig gemacht. Wir mussten dann tatsächlich auf die andere Seite, wo noch zwei weitere Automaten waren und haben es dort versucht. Glücklicherweise erfolgreich, sonst hätten diese Automaten noch ihr blaues Wunder erleben können.
Auf jeden Fall sind wir danach nach Grünerlökka gefahren und haben unseren vor zwei Jahren geprägten üblichen Streifzug absolviert. In Dunkelheit und Kälte war das recht romantisch.
Doch uns stand ja eine Reise bevor. Deswegen fanden wir uns dann gegen 22:30 Uhr am Bahnhof wieder. Unser Zug sollte 22:47 Uhr starten. Das klappte schon mal nicht, weil er nicht früh genug ankam. Aber wenn man eh die gesamte Nacht über fährt, sind ein paar Minuten mehr oder weniger ja auch nicht wirklich ausschlaggebend.
Die NSB überlässt den Reisenden aber nicht sich selbst - Gott sei Dank. Jeder Sitz in den normalen Abteilen (denn richtige Betten in den Schlafabteilen wollten wir uns nicht leisten) ist mit folgendem Paket ausgestattet:

- eine Kuscheldecke (in fashionable light grey)
- ein aufblasbares Kopfkissen
- eine Schlafmaske
- ein Paar Ohropax.

Eine ziemlich solide Grundausstattung für den potentiellen Schläfer also. Bleibt nur ein Problem: Denn trotz relativ großzügig gehaltener Beinfreiheit in diesen Zügen sind die Sitze nicht gerade bequem für 8 Stunden gesunden Schlaf. Zudem kam bei Marlene noch, dass sie generell nicht so gut in Zügen schlafen kann.
Es war dann auch leider am Anfang so voll, dass es nicht für jeden zwei Sitze gab, sondern sie es noch ein bißchen mit mir neben sich aushalten musste. Ich bin auch relativ häufig weggedöst und einmal aufgewacht, während sie gerade versuchte über mich rüber zu klettern um sich zwei freie Sitze zu sichern. Danach hatten wir jeweils mehr Platz. Aber auch das hat meinem schmerzenden Hinterteil nur bedingt geholfen. Ich habe mir Coconut Records auf meinem iPod angemacht und bin ständig zwischen Schlafen und Aufwachen hin und hergeglitten. Allerdings schätze ich, dass ich dabei mehr Erfolg hatte, als Marlene.
Das doofe bei so einem Nachtzug ist ja, dass man nicht großartig was machen kann, wenn man nicht schlafen kann. Es wird nicht durch Zauberhand bequemer und auch die Landschaft kann in solider Dunkelheit nur wenig beeindrucken.
Die letzte Stunde haben wir dann wach und wieder nebeneinander verbracht. Stavanger näherte sich unaufhörlich und 7:18 Uhr am Freitagmorgen waren wir dann da.
Marlene kontaktierte unseren Couchsurfer, der uns durch ein Missverständnis nicht sofort, sondern erst 1 1/2 Stunden später abholte. Aber die Zeit haben wir mit Kaffee, Bollern, Gesang eines bestimmten Lieds und noch ein bißchen an jeweils anderen Schultern dösen herumgekriegt.
Außerdem war es auch ganz interessant, den Sonnenaufgang über der Stadt und die umherwuselnden Menschen zu beobachten.
Als Christian, unser Gastgeber, uns dann zu sich nach Hause fuhr, waren wir relativ sprachlos. Aus mehreren Gründen. 1. Wir sind über die Stadtbrücke von Stavanger gefahren, die ich bisher immer nur aus der Ferne gesehen hatte. 2. Er und sein Mitbewohner teilen sich eine riesige Haushälfte für die sie zu zweit nur 7000 Kronen im Monat bezahlen müssen (für 3 Etagen!). 3. Für uns standen zwei riesige Betten inklusive Bettzeug bereit, so dass wir nicht mal auf unsere Schlafsäcke zurückgreifen mussten und 4. Überall in diesem Haus lag Geld rum. Wirklich ÜBERALL. Zwar immer nur 1-Kronen-Stücke, aber hätten wir die alle aufgesammelt, wären da bestimmt diverse Summen zusammengekommen.
Aber für uns hieß es erstmal: MEHR SCHLAF.

Dagens Låt: Bored to Death - Coconut Records

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