(Die Abwesenheit von Fotos ist übrigens meinem Laptop in die Schuhe zu schieben. Der hat momentan nämlich etwas gegen diese Funktion und bringt sich immer selbst ins Bett, wenn man welche hochladen möchte.)
Nachdem wir also Donnerstag spät zu Hause waren, sah ich der Uni am Freitag nicht unbedingt mit Begeisterung entgegen. Das war letztendlich aber auch okay, denn wirklich lange ist ja so ein Seminar auch nicht.
Wieder zu Hause angekommen, stellte ich erfreut fest, dass Marlene und Palme es gerade geschafft hatten zu frühstücken und sich für den Tag bereit zu machen. Richtig viel haben wir nicht mehr gemacht, außer natürlich noch mehr essen und sind dann recht früh in die Stadt gefahren und haben uns zum Revolver aufgemacht.
Dort spielte im Keller "Prins Polo", eine isländische Band, die sehr gute Laune verbreitete. Der Sänger trug ein Papierkrönchen und machte humorvolle Ansagen in akzentbeladenem Englisch. Leider singen Prins Polo ihre lustigen Texte in ihrer Heimatsprache, deswegen konnten wir nicht die Texte genießen... aber wir wurden Zeuge, wie ein Publikumsmitglied, bei dem es sich um die Bandgefährtin von Snorri Helgasson handelte, von Prins Polo höchstpersönlich zum Ritter geschlagen wurde. Leider war der Band das weibliche Äquivalent zum Ritter nicht bekannt und deswegen ist die Gute jetzt bloß eine Lady. Aber das ist ja auch besser als nix.
Weil wir im Anschluss nicht zu spät zu "Jarle Bernhoft" kommen wollten, machten wir uns allerdings auch schon sehr früh wieder vom Polo Prinsen fort.
Den Herren Bernhoft kennen wir seit letztem Jahr dadurch, dass er uns als Vorband der Kaizer drei Mal beglücken konnte. Der ist nämlich eine Ein-Mann-Band mit höchstem Entertainment-Faktor und großartiger Stimme. Durch Loops erzeugt er eine musikalische Atmosphäre, die einen staunen lässt, dass sich da wirklich nicht irgendwo doch eine vollzählige Band hinter ihm versteckt.
Das schöne an lediglich einer halben Stunde Spielzeit ist auch, dass er das zum bersten gefüllte Rockefeller mit einem Hit nach dem anderen bombardiert.
Das Publikum ist extrem laut und begeistert, aber so groß wie Bernhoft hier inzwischen ist, muss man sich darüber auch nicht mehr wundern. Am 14. April schon werde ich ihn wieder anschauen. Im Spektrum. Dem größten Haus am Platze. Und dort mit Band. Man darf gespannt sein.
Nach Jarle geht es fix zur Kulturkirche Jakob. Kulturkirche deshalb, weil dort keine Gottesdienste mehr drin statt finden, sondern wirklich nur noch kulturelle Events. Wir sind dort um uns Soley anzuschauen, eine junge Dame, die ebenfalls aus Island ist (und somit Prins Polo wieder aufgreift) und mit Loops arbeitet (das Bernhoft-Element). Sie ist dadurch das perfekte dritte Konzert an diesem Abend. Und die Stimmung in so einer Kirche ist natürlich auch sehr beeindruckend.
Inzwischen erkennen wir sogar Leute wieder, die öfter mal auf den gleichen Konserten anzutreffen sind, wie wir. Oslo ist eben nicht all zu groß.
Eigentlich hatte ich auf meinem Plan noch eine Füllerband, aber da ich mich schon seit langem sehr auf Daniel Norgren freue und keine Lust habe, mich weit von seinem Auftrittsort zu entfernen, begeben wir uns gleich nach Soley schon auf den Weg ins kleine Nokia-Zelt. Während wir noch dort hin spazieren, überfällt uns plötzlich Palme, von dem wir uns nach Bernhoft getrennt hatten und der inzwischen auch großen Spaß gehabt zu haben schien.
Da wir so früh da sind, können wir dem Daniel beim Soundcheck zugucken und selbst noch ein bißchen zum Verschnaufen sitzen. Man darf ja bei so einem Festival nicht alle seine Kräfte zu schnell verpulvern.
Doch dann spielt er wirklich. Er mit Gitarre und minimalem Fuß-Percussion-Set und ein Gefährte am Kontrabaß. Die zwei Schweden sehen aus wie die hinterletzten Waldmenschen, verwahrloste Söhne von Holzfällern oder so ähnlich... Sie spielen aber großartige Musik und bilden mit einem Blues-Feuerwerk mein persönliches Highlight des Abends.
Auf dem Weg aus dem kleinen Zelt muss man durch das große Zelt. Dort spielten Team Me. Marlene meinte, dass die sich live ganz gut angehört haben, aber ich war nach dem großartigen Daniel noch so gebannt, dass ich die nicht habe aufnehmen können.
Als letztes blieb uns bloß noch abschließend wie auch am Vorabend in die Sentrum Scene zurückzukehren. Heute für die Casiokids. Eine Band, die definitiv auch erstmal unterhalten will. Da kommt recht gerne viel Elektronik dazu, was ja eigentlich nicht so mein Fall ist, aber ein zwei Lieder von den Bergenern sagen mir dann doch auch zu. Und da die live nicht zu verachten sein sollen, darf man sich ja so eine Kostprobe nicht entgehen lassen.
Ich glaube, Palme war nicht so begeistert, weil er in seinem Kopf andere Vorstellungen hatte. Ich hingegen war angenehm überrascht. Da herrschte ein munterer, schwer überschaubarer Reigen auf der Bühne, der andauernd die Instrumente wechselte, hüpfte und zelebrierte gut gefunden zu werden. Am Ende kamen dann noch diverse als Tiere kostümierte Menschen auf die Bühne, die mittanzten und riesige Luftballons ins Publikum schossen. Da war das dann auch ein bißchen interaktiv.
Ich fand's unterhaltsam, aber den Abend gewonnen, hat dann doch der Herr Norgren, der Oslo auch im April wieder beehrt und mich definitiv in seinem Publikum erwarten darf.
Als wir den ersten Nachtbus verpassten und uns noch ein Eis im McDonalds während der halbstündigen Wartezeit gönnten, tauchte er auch zur Bestätigung mit seinem Bandkollegen auf. Und war ein Hühne! Da er während des Konzertes saß, ist mir das davor überhaupt nicht aufgefallen, aber die schwedische Luft muss echt gut sein, denn der ist locker über zwei Meter groß...
Ihm wird auch das Lied des Tages gegönnt: "Mean Old Devil Got On"
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