Montag, 5. März 2012

by:Larm Auftakt

Es ist Donnerstagmorgen, der 16. Februar 2012. Ich werde dadurch geweckt, dass mein Drucker wie ein wahnsinniger losrattert. Wem ist dies zu verdanken? Der Herr Palm hat sich fein gemacht für den Karrieretag der UiO. Extra aus Zürich ist er angereist, um armen norwegischen Studenten die beruflichen Chancen vor der Nase wegzuschnappen. Und damit alle sehen können, wie gut vorbereitet er ist, hat er nicht nur meine Ledertasche annektiert und sich feinstens herausgeputzt, sondern auch noch direkt einen Stapel Lebensläufe vorbereitet, die schön an die verschiedenen Firmen ausgeteilt werden können. Deswegen der Drucker.
Ich schlafe aber noch ein bißchen über und als ich wach werde, ist Marlene das auch schon. Es gibt Frühstück und dann muss ich zur Uni. Ein bißchen muss man sich dem Ernst des Lebens hingeben und dann folgt am Abend das festivalsche Vergnügen in Form vom by:Larm 2012.
Ein grobes Programm für den Abend ist schnell zusammengestellt, aber bevor es mit den Konzerten losgeht, muss man sich wie bei jedem Festival erstmal sein Bändchen abholen.
Unsere Hoffnungen diesbezüglich waren recht groß, muss ich gestehen, deswegen war es schon eine kleine Enttäuschung, als wir feststellten, dass es sich nicht um Stoffbändchen handelt, sondern um Plastikfabrikate. Denen muss man allerdings zu Gute halten, dass sie in einem sehr schönen grün gehalten sind, wenn man - wie wir - das Festival an allen drei Tagen besucht. Die Bändchen für Tagespässe waren da eher nicht so schön, also zum Beispiel pink. Bah.
Was am Anfang also recht steif am Arm lag, schmiegte sich dann doch noch ein bißchen an und war am Ende sogar recht angenehm. Für unser erstes Konzert mussten wir uns auch direkt aufsplittern. Da das by:Larm in verschiedenen Clubs der Innenstadt stattfindet, sind manche Sachen eben parallel und Palmes Musikgeschmack hebt sich ja von meinem und Marlenes etwas ab (ohne behaupten zu wollen, dass sich das bei Marlene und mir 100%ig deckt).
Wir sind also zunächst ins Dattera Til Hagen gegangen, um uns "I Am Sound" anzusehen, eine norwegische Band, die auch auf Gläsern spielt. Das war ein sehr schöner und atmosphärischer Auftakt. Außerdem war ich davor nur im Hinterhof des Dattera Til Hagen und nie drinne und das ist wirklich gemütlich da. Da kann man ruhig öfter hin.
Als nächstes standen Soup auf unserem Spielplan. Dafür mussten wir zurück zur Scentrum Scene. Dort bekam ich dann direkt die Faust von jemandem ins Gesicht, der in einem ungünstigen Zeitpunkt (nämlich als ich hinter ihm stand) ausholte. Das tat ihm sehr Leid, mir auch, es tat nämlich weh, hinterließ aber Gott sei Dank keine bösen Spuren in meinem Gesicht. Und außerdem machte dadurch sein iPhone Bekanntschaft mit dem Boden. Ich denke, es war schüchtern, denn es zersprang in diverse Teile.


Naja, ich fand "Soup" ziemlich gut, besser als Marlene, wenn ich mich recht erinnere. Das einzige, was ein bißchen störte, war, dass der Lichtmann von denen irgendwie von der Idee besessen war beim Publikum epileptische Anfälle auszulösen. Das Licht war wirklich furchtbar und hat leider den Zauber der Musik ein bißchen kaputtgemacht.
Zur Beruhigung wollten wir dann weiter zu "Snorri Helgasson", einem isländischen Singer/Songwriter. Der Plan war gut, aber Marlene und ich waren leider beide zu doof, den Spielplan vernünftig zu lesen und so fanden wir uns mit dem wieder eingesammelten Palme in der Schlange zum Stratos wieder - einem Nachtclub in der obersten Etage des Folketeatrets (der alten Oper). Mit Türsteher, Lift und Schild (Altersgrenze 25, gut angezogene Leute). Da fühlten wir uns ein bißchen fehl am Platz und als wir oben ankamen, merkten wir auch, dass wir das definitiv waren. Dort spielten nämlich GusGus schreckliche Tanzmusik. Also genossen wir schnell den fantastischen Ausblick vom Balkon und fuhren dann wieder hinunter.
Unsere Suche nach dem "Gamla", in dem der Snorri wirklich spielen sollte, gestaltete sich etwas schwierig. Dadurch konnten wir nur noch die letzten drei Lieder von ihm hören, als wir ihn dann endlich gefunden hatten, das war aber nicht so schlimm, weil er doch hauptsächlich eher öde war.
In der Hoffnung auf ein bißchen guten Blues und mehr Stimmung haben wir dann "Herr Nilsen" gesucht, wiederum ein Club, in dem ich noch nie war. Doch die dortige Band "Gram Per Person" war für unseren Geschmack ein bißchen zu sehr Country.
Also ging es zurück zur Sentrum Scene um das Highlight des Abends in Form von Sivert Høyem zu sehen. Und was für ein Highlight das war... Nicht nur, dass man sich nicht vorstellen kann, dass die Stimme von dem live genauso klingen kann wie auf dem Album, nein, er hatte auch eine super Band aus uns bekannten Musikern um sich herum versammelt, die große Freude am Spielen versprühten. Das stimmte uns sehr positiv. Und auch wenn der Sivert nicht die sympathischste Bühnenshow liefert (Himmel, der hat eine merkwürdige Gestik), waren wir mehr als froh, dass er sich nicht an die angesetzte halbe Stunden Spielzeit hielt, sondern ordentlich überzog.
Da fiel nicht mal mehr der recht umständliche Heimweg ins Gewicht.
Dementsprechend ist das Dagens Låt auch von Sivert Høyem, nämlich "Into the Sea", das sich zu einem Dauerohrwurm während des Festivals entwickelte.

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