Donnerstag, 31. Mai 2012

Ja, vi elsker dette landet...

Bevor der Mai zu Ende ist, sollte ich definitiv noch etwas über den 17. Mai schreiben!
Ich bin auch nicht so richtig faul eigentlich, es ist nur gerade Prüfungszeit. Da ich aber heute erfolgreich meine erste Hausarbeit abgegeben habe, ist nun der 17. Mai dran!

Das ist der norwegische Verfassungstag, weil am 17. Mai 1814 in Eidsvoll Norwegens eigene Verfassung unterzeichnet wurde. Dieser Tag wird hier ausladend gefeiert. Und Irini und ich wollten dabei selbstverständlich nicht außen vor gelassen werden. Wir hatten uns deswegen mit Bekannten von ihr am Nationaltheater verabredet. Um 10 Uhr. Das klingt vielleicht nicht so sehr früh, Tatsache ist aber: Das ist es. Denn am 17. Mai soll man hübsch aussehen. Und Menschen mit mediterranem Hintergrund haben eine Tendenz, sich nicht an abgesprochene Zeiten zu halten. Nachdem ich also um 8 Uhr aufgestanden bin, folgte ich meinen Instruktionen, Irini zu wecken, wenn sie bis 8:45 Uhr noch nicht in der Küche war.
Zu unserem großen Bedenken schüttete es wie aus Eimern. Das wurde so schlimm, dass ich sogar kurz argumentieren musste, dass wir trotz des Regens in die Stadt fahren und nicht zurück ins Bett gehen. Natürlich sind wir nicht ganz pünktlich losgekommen. Das hatte aber den positiven Nebeneffekt, dass wie durch Zauberhand der Regen aufgehört hatte.
Wir trafen also Mari und Mathias am Nationaltheater und gingen direkt zum Schloss. Denn es ist die Aufgabe des Königs und seiner Familie über die gesamte Dauer des großen Umzugs auf dem Balkon zu stehen und dem Volk zu winken. Keine all zu schwierige Aufgabe also.
Die königliche Familie zeigte sich pünktlich und die Menge (so viele Menschen habe ich hier noch nie auf einmal auf den Straßen gesehen) sang die Nationalhymne. Die royalen Herrschaften waren sehr gut angezogen. Allerdings kam am nächsten Tag im Radio direkt eine Debatte mit Modeexperten und Norwegens bestem Hutmacher, weil man wohl der Meinung war, die Kopfbedeckung Mette Marits diskutieren zu müssen...

Nach erfolgreichem Winken haben wir uns dann eine gute Stelle am Umzug gesucht. Der so genannte 'Barnetog', also Kinderumzug besteht aus den Kindern aller (ALLER!) Schulen Oslos. Die marschieren vom Hauptbahnhof die gesamte Karl Johans Gate entlang und dann in einem Bogen am Schloss und Nationaltheater vorbei bis hinunter zum Rathaus. Dabei stolpern und tanzen die Kinder herum ganz wie es ihnen gefällt, während viele von ihnen Flaggen spazieren tragen und die jeweiligen Schulkapellen das ganze musikalisch begleiten. Dabei hört man nicht nur nationale Schinken, sondern auch mal eine Trickfilmtitelmelodie oder einen Monty Python Song. Das ist also alles wirklich herrlich anzuschauen und ganz und gar nicht militärisch.


Nachdem wir denen eine ganze Weile zugeschaut hatten (und von Mari und Mathias norwegische Flaggen zum wedeln bekamen. Juhu!), machten wir uns dann auf, wichtigen norwegischen Traditionen an diesem Tag zu folgen. Inzwischen war noch ein weiterer Kollege von Irini zu uns gestoßen und Mari erklärte, dass es heute extrem wichtig sei, so viele Hot Dogs und so viel Eiscreme wie möglich zu essen. Das sind doch mal großartige Traditionen!
Wir machten uns also auf die Suche nach Eis. Das war bei so vielen Menschen gar nicht so einfach. Irgendwann landeten wir am Wasser, in der Nähe des Rathauses. Zwar ohne Eis, aber immerhin mit einem tröstenden Hot Dog. Wir beschlossen uns weiter in Richtung Aker Brygge durchzuschlagen. Auf dem Weg trafen wir noch einen Chemiker. Dann waren wir endlich erfolgreich und sahen uns einem Eiswagen gegenüber. Der führte zwar bloß abgepacktes Wassereis, aber wir waren verzweifelt. Selbstverständlich begegneten uns, nachdem wir das dann endlich hatten, tausende Eisbuden... Allerdings waren die Schlangen da so lang, dass wir letztendlich doch froh über unser schnelles Eischen waren und es am Wasser in Ruhe geniessen konnten.


Dann waren wir beim Lunch zu Karina eingeladen. Wiederum eine Kollegin von Irini, die mich allerdings beruhigte, dass noch mindestens zwei weitere Leute da wären, die nichts mit Chemie zu tun hätten. Yes!
Karina hatte selbst jede Menge Essen vorbereitet und alle eingeladenen hatten zusätzlich noch etwas mitgebracht. Ich hatte Muffins gebacken und während Irini frische Crepes zubereitete, half ich Karina dabei ihre Römme umzurühren. Ein armerschlaffendes Unterfangen, aber am Ende von Erfolg gekröhnt.
Bei denen waren wir dann etliche Stunden und haben jede Menge gegessen und erzählt. (Gott sei Dank auch über unchemikalische Dinge, wie etwa Filme, wo ich mich ja immerhin ein bißchen auskenne!)
Und die Leute sind auch sehr nett. Ich habe inzwischen ein sehr positives Bild von Chemikern im Allgemeinen entwickelt!

Der 17. Mai ist ein ziemlich guter Nationalfeiertag. Als wir irgendwann gegen Abend nach Hause kamen, traf auch Mirjam wieder ein, die für Bewerbungsgespräche in Deutschland war und sich schämen sollte, das verpasst zu haben. Aber bald ist ja nächstes Jahr!

Und als Lied des Tages gibt es das, was mir von der einen Kapelle am besten gefallen hat!




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