Dienstag, 25. Juni 2013

Tempus fucking fugit.

So… erschreckender Weise ist jetzt auch schon über ein halbes Jahr vergangen, seit ich mich mal hingesetzt habe, um hier was in die Tasten zu hauen. Prinzipiell sollte das als gleiches Zeichen wie für elterlichen Kontakt gesehen werden: Wenn sie sich nicht meldet, wird es ihr schon gut gehen.

Das tut es. Und sie war sehr beschäftigt. Womit bloß? Das lässt sich leicht beantworten. Eine Woche nach dem letzten Eintrag hier ging es erstmal nach Hause – für Weihnachten und die aller größte und beste Woche jedes Jahr. Ich spreche selbstverständlich von der Zeit zwischen Weihnachten und Silvester, wenn ich mich mit meinen liebsten Menschen, die nicht blutsverwandt sind, in eine kleine aber feine Ferienwohnung verkrieche um für ein paar Tage der Welt zu entkommen. In diesem Jahr ist sogar Paul gekommen! Das war eine super Überraschung! Thematisch haben wir uns sehr schick gemacht (auf Wunsch eines gewissen Herren) und uns den 20er Jahren gewidmet. Da ich nicht genau weiß, wie die anderen das mit ihrer Privatsphäre und dem Internet so haben, nehme ich mal lieber Rücksicht und enthalte die großartigen Bilder vor.

Nachdem es dann im Januar zurück in die nordischen Lande ging, habe ich ein Praktikum beim Goethe-Institut gemacht. Das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, mich einiges an Nerven gekostet, weil ich oft über meinen ziemlich großen Schatten springen musste und mich mit einigen ziemlich coolen Leuten vertraut gemacht – allen voran meinen Abendpförtnerkollegen. Denn neben meinem regulären Praktikumsalltag war ich auch (tatsächlich bis heute) Abendpförtner am Institut um ein bisschen Geld nebenbei zu verdienen. Einen Sprachkurs habe ich auch gegeben. Für Anfänger. Das war spannend. Für die genau so sehr wie für mich, würde ich sagen.

Mein Büro war größer als mein Wohnheimzimmer.

Und meine Praktikumszeit war dementsprechend mit Unterrichtsvor- und Nachbereitung, Märchenwaldausstellung und allen anderen möglichen kleinen Aufgaben vollgestopft.
Ich fand das da tatsächlich so gut, dass ich mich auch auf eine Stelle bewerben werde. Die kriegen wäre der Gipfel des Fantastischen. Ein richtig echter JOB! Aber erstmal abwarten und nichts überstürzen.

Während des Praktikums hat meine Masterarbeit dann auch im Tiefschlaf gelegen. Da hatte ich nach nem vollen Arbeitstag einfach keine Energie mehr für. Dafür nimmt die jetzt wieder gefühlte 30 Stunden jedes Tages ein.

Dafür bekam ich im Januar an einem Wochenende Besuch von Torger, einem Freund aus der Kaizer-Familie. Der ist nämlich mit mir in die Oper gegangen, um sich anzuschauen, wie das letzte Album von den Kaizern mit Symphonieorchester zusammen klingt. Und obwohl wir in der Oper merkwürdige Stehplätze bzw. Barhocker hatten, haben wir ziemlich gut gesehen und wurden akustisch sowieso komplett von den Socken gehauen. Dass wir uns danach dann noch mit weiteren Bekannten der Kaizer-Familie zusammengetan haben und auf der After-Party der Band waren, ist die Kirsche auf einem ziemlich fetten Sahnehäubchen gewesen.

So sieht das in der Oper aus.

Ebenfalls während meines Praktikums – im Februar nämlich – habe ich Besuch gehabt von Marlene! Juhu! Das war schön! Was haben wir gemacht? Natürlich waren wir auch dieses Jahr wieder beim by:Larm, diesem wunderbaren Festival, das sich auf die verschiedenen Klubs in Oslos Innenstadt verteilt und bei dem man von Mittwoch bis Samstag so viel Musik wie nur möglich aufsaugen kann. Das war in Verbindung mit dem Praktikum eine ziemlich erschöpfende Nummer, aber wir haben unser Bestes gegeben, nicht schlapp zu machen. Unsere absoluten Favouriten in diesem Jahr waren Efterklang, die live einfach großartig sind (Und inzwischen auch auf Platte, wenn man unabhängigen Meinungen glaubt) und Stig. Der gute Stig ist ein finnischer Country-Rapper, der einfach mal enormen Unterhaltungsfaktor hat, weswegen ich nicht umhin kommen werde, ein Musikvideo von ihm einzubinden.



Ein paar by:Larm Bilderchen!

Neben dem by:Larm und einigen netten Unternehmungen mit Eirini und Quique, haben wir auch einen kleinen Ausflug nach Drammen, eine Stadt, die circa ne ¾ Stunde mit dem Zug von Oslo entfernt ist, gemacht. Denn… wie sollte es anders sein? Da stand ein Konzert von Kaizers Orchestra an. Mal ganz davon abgesehen, dass es dunkel war, hat Drammen einen sehr schönen Eindruck gemacht. Lauschiges kleines Örtchen.
Und das Kaizers Konzert war fantastisch. Das einzige Problem, das wir hatten, war, dass es so unglaublich spät angefangen hat und der letzte Zug nach Oslo um Mitternacht fuhr. Und als die Band um 23:45 Uhr nach Zugaben die Bühne verließ, hatte ich alle Hoffnung aufgegeben und schon überlegt, wo ich auf dem Weg von Bahnhof zur Union Scene überall Hotels gesehen habe. Da hab ich aber nicht mit Marlene gerechnet, die sich meine Hand geschnappt hat und sich wie eine Schlange einen Weg durch alle Menschen bahnte. Wie durch ein Wunder war kaum jemand bei der Garderobe (wo wir beim Einlass ne halbe Stunde warten mussten) und wir sind davon gespurtet. Also wirklich. Am Bahnhof haben wir die Tickets gekauft so schnell es ging und sind in den schon da stehenden Zug gesprungen und konnten so in unseren heimischen Bettchen schlafen. Das alles war an einem Freitag. Deswegen konnten wir sogar ausschlafen UND mit einem Nachtbus bis vor meine Haustür fahren. Purer Luxus quasi!

Wir waren auch bei einem sehr sehr schönen Patrick Wolf Konzert in der Kulturkirche… Hach… Marlene war dann noch ein paar Tage in Trondheim, wieder ein paar Tage hier und letzten Endes musste sie wieder fort. Man weiß ja, wie doof das ist. Und weil ich dieses Jahr durch mein Praktikum nicht zur Buchmesse nach Leipzig konnte, aber so viele Überstunden hatte, dass ich mir dachte: Da kann man sich nen Ausflug gönnen, bin ich einfach mal nach Berlin geflogen. Morgens um 6:30 Uhr. Zum Frühstück habe ich mich da mit einer alten Schulfreundin getroffen und ne ganze Weile getratscht. Mittags kam dann Marlene an und wir haben uns auf den Weg zu Torger gemacht. Der hat ein Haus in Berlin. Und wer eins und eins zusammen zählen kann, der ahnt, dass ein neues Kaizers Konzert ansteht. Oh ja. Berlin darf man da einfach nicht auslassen.

Wir haben uns ein bißchen die Zeit bei Torger vertrieben und extrem gruselige Musikinstrumente in diesem Haus gefunden, wie die Schildkrötenukulele, die mit Haut bespannt war in der noch Haare hingen… Naja. Zum Essen haben wir uns mit Eirini und Quique getroffen, die gerade Urlaub in Berlin gemacht haben und sehr begeistert davon waren, dass man in Deutschland überall Bier kaufen und es sogar auf der Straße trinken kann.

Das gruselige Ding:

Ein weiteres wunderbares Konzert und herrliches Nachspiel mit einer wachsenden Kaizerfamilie später (bei dem das Projekt: Wir holen Skambankt nach Berlin ins Leben gerufen wurde), lagen wir so gegen 3 Uhr morgens in Torgers Haus unter’m Dachboden. Der Wecker klingelte um 6, denn wir mussten einen Zug kriegen. Marlene hatte Termine in Leipzig. Ich bin noch über’s Wochenende dort geblieben. Rudi kam aus Dresden vorbei und ich habe mein Patentkind das erste Mal gesehen und festgestellt, dass es sich um das schönste und coolste Kind der Welt handelt. Die Erkenntnis ist mir gekommen, während ich sie auf dem Arm hatte und sie sich in die Hosen gemacht hat. Ich hab die Verbindung sofort gespürt!

Danach ging es zurück in den Praktikumsalltag. Als ich nochmal genug Überstunden hatte, um mir um Ostern herum frei zu nehmen, kam Svea mit ihrem Freund zu Besuch! Zu dritt hatten wir eine ziemlich gute Mischung aus dem typischen Touristen Programm und ein bißchen faul sein und stricken! Gegen so pflegeleichten Besuch ist überhaupt nichts einzuwenden!


Im April war ich dann schon wieder in Deutschland, um die Goldene Hochzeit der Großeltern zu feiern und schon auch den Geburtstag vom Brüderchen!

Und als das Praktikum ganz vorbei war… kamen die Eltern in Oslo zu Besuch! Püntklich zum 17. Mai! Und man kann sich sehr gut vorstellen, wie begeistert die zwei von all den Menschenmassen waren! Wir haben ein paar sehr entspannte Tage bei erschreckend gutem Wetter verbracht und falls jetzt jemand einen Ratschlag braucht, wo man in Oslo gut frühstücken kann, darf man sich vertrauensvoll an meine Eltern wenden, weil die da jetzt absolute Experten sind um sich gegen die Frühstücksbeutel, die an den Türklinken der Hotelzimmertüren hingen zu wehren. Für Abends Essen gehen gilt eigentlich das Gleiche, das haben wir nämlich auch ständig gemacht! Das war also ein ziemlicher Luxus-Besuch. Und so sommerlich wie zu diesen Tagen im Mai war es hier danach auch nicht mehr. Dementsprechend verfolge ich die Theorie, dass meine Eltern das gute Wetter mitgebracht, aber auch wieder mitgenommen haben.


Ja… und jetzt sieht das hier wieder ziemlich Bibliotheks- und Schreibtisch-lastig aus. Obwohl ich neulich einen alten Bekannten aus Erasmus-Zeiten getroffen, im Frognerpark einem Nick Cave Konzert von draußen zugehört und neulich erst am Strand Sankt Hans gefeiert habe.


So verfliegt die Zeit, in der man noch weiß, was zu tun ist und die große Ungewissheit rückt ständig näher…

PS: Das Vorkommen von Zitronen in manchen Bildern hat einen guten Grund, der allerdings zu lange zum Erklären ist... Also nicht zu sehr wundern.

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